
Am Samstag, 8. Februar 2025, verwandelte sich Gießens Innenstadt in ein Meer aus Transparenten, Regenbogen‑ und Gewerkschaftsfahnen. Rund 13 000 Menschen folgten dem Aufruf eines breiten zivilgesellschaftlichen Bündnisses, um Protest gegen Rassismus, Antisemitismus und den politischen Rechtsruck auszudrücken. Schon ab den frühen Nachmittagsstunden prägten Sprechchöre und Musik die Stadt.

Nach der Auftaktkundgebung auf dem Berliner Platz gegen 15 Uhr setzte sich der Demonstrationszug über Neuen Bäue und Brandplatz in Bewegung. Eine Zwischenkundgebung fand am Kirchplatz statt. Der Demonstrationszug legte zeitweise den Verkehr auf dem Anlagenring und der Südanlage lahm. Stadtbusse wurden umgeleitet, Passant*innen winkten den Demonstrierenden applaudierend zu. Gegen 19 Uhr endete die Abschlusskundgebung wieder auf dem Berliner Platz. Die Polizei begleitete den bis zu zwei Kilometer langen Zug mit einer dreistelligen Zahl an Einsatzkräften.
Zu den Redner*innen gehörten der Bürgermeister Alexander Wright (Grüne), Pfarrer Gabriel Brand und Gerlinde Bauer (Omas gegen Rechts). Gewarnt wurde vor der zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung und der schleichenden Normalisierung rechter Positionen. Brand forderte Solidarität mit Geflüchteten und erinnerte daran, dass die Menschenwürde nicht verhandelbar ist.
Das Publikum hörte zudem Statements aus dem Studierendenrat der Justus‑Liebig‑Universität, vom DGB Mittelhessen und von Vertreter*innen migrantischer Organisationen. Eine Schweigeminute für die Opfer rechter Gewalt schuf einen stillen, eindrucksvollen Moment vor der Kulisse des rappelvollen Kirchenplatzes.

Pappschilder wie „Menschenrechte sind nicht verhandelbar“ und „Metalheads gegen Nazis“ zeigten die Vielfalt der Teilnehmer*innen. Diese reichte von kirchlichen Jugendgruppen bis zur lokalen Metal‑Szene.
Mit 13 000 Teilnehmenden war es die größte Demo gegen rechts in Hessen an diesem Tag. Größer als zeitgleiche Kundgebungen in Darmstadt (8 000) und Kassel (über 1 000). Ein Jahr nach den Rekordprotesten 2024 zeigt Gießen erneut, dass der Raum abseits der Großstädte keineswegs leise bleibt, wenn demokratische Grundwerte unter Druck geraten.
„Wir sind mehr – und wir bleiben laut“, fasste eine Rednerin vom Bündnis Nie wieder ist jetzt zum Abschluss zusammen.
Hintergrund
Die Kundgebung steht in einer bundesweiten Protestwelle, ausgelöst durch die gestiegene Zustimmung zur AfD und jüngste Annäherungen der CDU an rechtsextreme Kreise.


